#safertogether: Brexit, Einheit und Versicherungen

Wie der Brexit uns lehrt, dass es am Ende darauf ankommt, im Leben eine gemeinsame, sichere Einheit zu bleiben.
Andrew
5.2.2020

London, 23. Juni 2016: Du Luft war wie geladen, als ein Sturm über London zog. Trotz der spürbaren Spannung in der Luft, ging ich in ein Café in der Nähe des Hyde Parks. Denn dort traf ich mich mit einem renommierten Versicherungsexperten, um ein wichtiges Projekt zu besprechen, an dem ich arbeitete. Der Codename lautete: Coya. 

Wie viele andere an diesem Tag, habe ich mir nicht vorstellen können, dass das Brexit-Referendum eine realistische Chance hat, Europa zu spalten. Es erschien mir einfach unglaubwürdig. Ich sah es als politische Taktik, die der jeweiligen Agenda europafeindlicher Parteien in die Hände spielen sollten. Als Südafrikaner kannte ich dieses Konzept aus der gezielten Rassentrennung. Aber dies war doch England – eine Kolonie, die über Jahrhunderte aus kultureller Verschmelzung entstanden. Spaltung? Niemals hier ... oder? 

Genau zu dieser Zeit habe ich überlegt, ob ich Coya in Großbritannien oder Deutschland gründen solle. Klar wurde mir meine Antwort, als ich am nächsten Morgen nach Berlin zurückkehrte. Denn ich verband Deutschland mit den integrativen Werten und der Stabilität eines vereinigten Europas. Dieses Land sollte die zukünftige Heimat von Coya werden.

Die Londoner Towe Bridge. Vor dem Brexit.

Die Ziele waren gleich von Anfang an hochgesteckt: Coya ist ein digitaler Vollkasko-Versicherer, der die Branche herausfordert. Wir haben die Probleme in der gesamten Wertschöpfungskette beseitigt, um ganzheitliche Versicherungserlebnisse zu schaffen. Unsere Versicherung ist direkt auf die Bedürfnisse unserer Kund*innen ausgerichtet, da wir uns als vertrauenswürdigen Partner auf Augenhöhe an der Seite unserer User-Gemeinschaft sehen. Um unsere Vision zu erreichen, war es wichtig, alle bisher gekannten Prozesse im Versicherungswesen neu überdenken. Wenn wir etwas anders machen wollten, mussten wir direkt mit unseren Kund*innen in Kontakt treten, um zu verstehen, was sie im Jetzt brauchten und was sie in Zukunft brauchen würden. Mit diesen Erkenntnissen und auf Basis unserer digitalen Vision wollten wir Coya auf einer “unbebauten grünen Wiese” – mit dem Greenfieldansatz – aufziehen.

Weil nur aus Transparenz Vertrauen entsteht

Traditionell geben Versicherungsmakler*innen einzelne Policen an die jeweiligen Versicherer weiter, damit sie die Risiken übernehmen. Die Versicherer fassen dann die Risiken der Policen zusammen, um Mittel aus den Prämien zu reservieren, um die zukünftig zu erwartenden Schadensersatzansprüche auszuzahlen. Das Grundproblem des traditionellen Modells besteht darin, dass die Wertschöpfungskette auf zu viele Interessengruppen aufgeteilt ist, die nicht immer übereinstimmen. Von Verkaufsmakler*innen und Agent*innen bis hin zu Risikoermittler*innen, Support, Sachbearbeitung und Geschäftsführung – alle arbeiten in einem eigenen System mit eigenen Zielen und einem eigenen Verständnis der Kund*innen.

Diese Vorgehensweise war im vordigitalen Zeitalter hilfreich und unumgänglich. Dieser mehrgleisige Prozess ist für Kund*innen jedoch sehr intransparent und schwer zu verstehen. Und wo es an Verständnis mangelt, wird meist auch ein Mangel an Vertrauen folgen. Bei der Entwicklung von Coya ist uns daher unangenehm aufgefallen, dass  Kund*innen bei einem Schadensfall oft wie Schuldige behandelt werden, bis ihre Unschuld bewiesen ist. Dadurch entsteht eine große Vertrauenslücke auf beiden Seiten. So wird von Kund*innen erwartet, dass sie ihrem Versicherer vertrauen. Doch im Gegensatz vertraut ihnen der Versicherer nicht. Wie soll dies auch möglich sein, wenn Versicherungsunternehmen ihre Zielgruppe nicht mit einem holistischen Blick betrachten?

Der “alte” Prozess bedeutete: Makler sehen in Kund*innen Provisionen; Versicherer betrachten Policen als Risiken. Und niemand hat eine wirkliche Vorstellung davon, wer die Menschen hinter den Verträgen wirklich sind. In unseren Augen war (und ist) dies ein großes und komplexes Problem, das es zu lösen galt. Es zu lösen, war (und ist) jedoch nicht unmöglich, da uns die Technologie ermöglicht, uns als Versicherer mit unseren Kund*innen zusammenzubringen. So können wir Transparenz ermöglichen und Vertrauen wieder herstellen.

Das Ganze ist größer als die Summe seiner Teile

Die digitale Wiedervereinigung der Versicherungskund*innen mit Vertrieb, Support und Risikoermittlung verändert die Branche (unserer Ansicht nach) grundlegend zum Besseren. Dennoch ist diese Idee, die einen sichereren und wohlhabenderen Staat kreiert, offensichtlich nicht neu.

Jan Smuts (1870-1950) war der erste Präsident Südafrikas und ein Vordenker der Theorie und Praxis des holistischen Denkens. Ich kann nicht anders, als mich von seinen Lehren inspirieren zu lassen, da ich im Südafrika der Apartheid aufgewachsen bin und das Glück hatte, dort den Beginn der Demokratie zu erleben. Smuts schlug vor, dass die Vereinigung zu einem stabilen Zustand führt – so wie Wassertropfen, die sich zu einem einzigen Teich zusammenfügen. Seine Arbeit trug dazu bei, weltweit unzählige Einheitsbewegungen zu formen – wobei er als einziger sowohl das Abkommen des Völkerbundes als auch die Gründungsabkommen der Vereinten Nationen unterzeichnet hat. Die Welt hat in den letzten 70 Jahren die wohlhabendste Ära seit der Existenz der Menschheit erlebt. Die Wiedervereinigung war ein zentraler Motor für diesen Frieden und diesen unglaublichen Wohlstand.

In Afrika haben wir eine Philosophie der Menschlichkeit, die sich Ubuntu nennt. Sie basiert auf der Lehre "Ich bin, weil wir sind" und verkörpert den Glauben an ein universelles Band des Teilens, das die gesamte Menschheit verbindet. Ich kann mir nur vorstellen, dass Mr. Smuts in gewisser Weise selbst von Ubuntu in seinen Gedanken der Vereinigung inspiriert wurde.

Aber zurück zur Post-Brexit-Zukunft

Berlin, 1. Februar 2020: Großbritannien hat sich vor einigen Tagen offiziell von der Europäischen Union getrennt. Aber ich bleibe optimistisch, dass Technologie und die gesamteuropäische Zusammenarbeit uns auch in Zukunft verbinden werden. Denn wir stehen vor der überlebensgroßen Aufgabe, viel mehr Probleme als nur jene in der Versicherungswelt zu lösen: Wir müssen uns dem Wohnen als Menschenrecht, dem globalen Hunger, Krankheiten und dem Klimawandel widmen. Die Geschichte hat uns jedoch gelehrt, dass wir die Macht haben, Veränderung herbeizuführen, wenn wir uns nicht spalten – sondern vereinigen.


#safertogether

Photos: Unsplash/Coya
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