Illustration von einem Smartphone mit zerbrochenem Display

Folgeschäden im Rahmen der
Privat-Haftpflichtversicherung

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Nach deutschem Recht bist du verpflichtet, Schäden zu ersetzen, die einer anderen Person oder deren Eigentum durch dein Verschulden entstehen. Als rechtliche Grundlage hierfür gilt § 823 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch). Neben dem Schadensersatz für Sach- oder Personenschäden bist du auch für einen indirekten Schaden, das heißt einen Folgeschaden, schadensersatzpflichtig, der aus einem dieser beiden Schadensarten entstehen kann. Hast du vor dem Eintritt eines Schadensfalls eine private Haftpflichtversicherung abgeschlossen, wird diese auch die Forderungen übernehmen, die in Verbindung mit Folgeschäden stehen. Sind Schäden an deinem Eigentum durch Sturm, Hagel, Leitungswasser oder Einbruchdiebstahl entstanden , besteht in der Regel über deine Hausratversicherung Versicherungsschutz.

Was ist ein Folgeschaden?

In der Privathaftpflichtversicherung wird zwischen verschiedenen Schadensarten unterschieden, und zwar:

  • Sachschäden: Das sind alle Schäden am Eigentum einer Person, zum Beispiel wenn Gegenstände in Mitleidenschaft gezogen oder zerstört werden. Hierzu gehören übrigens auch Tiere, die zwar rechtlich nicht als Sachen gelten, aber hinsichtlich von Vorschriften wie diese behandelt werden. Das bedeutet beispielsweise, dass es eine Sachbeschädigung ist, wenn jemand deinen Hund mit dem Auto anfährt.
  • Personenschäden: Diese betreffen alle Schadensereignisse, bei denen Menschen verletzt, in ihrer Gesundheit beeinträchtigt oder gar getötet werden.
  • Vermögensschäden

Aufgrund von Sachschäden und Personenschäden kann es zu Folgeschäden kommen:

  • Folgeschäden sind Schäden, die aus Sach- oder Personenschäden resultieren. Insbesondere gehören hierzu auch sogenannte “unechte” Vermögensschäden, wie Einkommensminderung, Verdienstausfall oder Nutzungsausfall, die eine Folge des vorherigen Schadensereignisses sind. Auch immaterielle Schäden, die zum Beispiel den Körper, die Ehre oder die Freiheit eines Menschen betreffen, können Folgeschäden sein.
Illustration von einer Person mit einer Glühbirne neben dem Kopf

Vermögensschäden und immaterielle Schäden im Bürgerlichen Gesetzbuch

Das BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) beschäftigt sich nicht nur mit der Art und dem Umfang des Schadensersatzes bei Sach- oder Personenschäden, sondern auch mit Vermögensschäden in Form von entgangenem Gewinn und mit immateriellen Schäden. Nach § 252 BGB gilt ein Gewinn dann als entgangen, wenn er ohne den Eintritt des Schadens mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten gewesen wäre. Schadensersatz für einen immateriellen Schaden muss laut § 252 nur in Fällen geleistet werden, die durch das Gesetz bestimmt sind. Bei einer Verletzung des Körpers oder der Gesundheit zum Beispiel ist eine monetäre Forderung rechtens, beispielsweise als Schmerzensgeld. Bei immateriellen Schäden muss zudem das sogenannte Affektionsinteresse beachtet werden, das an späterer Stelle genauer erklärt wird. Grundsätzlich müssen vom Schädiger Interessen nicht ersetzt werden, deren wirtschaftlicher Wert nicht messbar ist.

Einige Beispiele für Folgeschäden in der Haftpflichtversicherung:

Schadensereignis
Folgeschaden
Schadensart
Du hast im Hausflur eine Kiste stehen lassen, über die deine Nachbarin gestolpert ist. Sie hat sich daraufhin das Bein gebrochen.
Deine selbständig tätige Nachbarin kann ihrer Tätigkeit für einige Wochen nicht nachgehen und erleidet dadurch finanzielle Verluste.
Vermögensschaden in Folge eines Personenschadens
Du hast mit deinem Fahrrad einen Passanten angefahren und verletzt.
Der Passant war auf dem Weg zu einem Vertragsabschluss für einen neuen Auftrag. Durch die Verletzung konnte er den Termin nicht wahrnehmen. Der Auftrag kam nicht zustande.
Vermögensschaden in Folge eines Personenschadens
immaterieller Schaden in Folge eines Personenschadens
Nach dem Unfall hat der Passant noch lange Schmerzen im Knie und fordert Schmerzensgeld.

Ein Folgeschaden in der Hausratversicherung liegt zum Beispiel dann vor, wenn nach einem Hausbrand Wasserschäden am Hausrat durch Löschwasser entstanden sind.

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Welche Leistungen gewährt meine Privat-Haftpflichtversicherung bei Folgeschäden?

Generell sind Schäden in der privaten Haftpflichtversicherung, die durch den Versicherungsnehmer Dritten unbeabsichtigt oder leicht fahrlässig zugefügt werden, im Rahmen der vereinbarten Versicherungssumme (Deckungssumme) und der versicherten Risiken versichert. Bei der Coya sind in allen Tarifen auch Schäden versichert, die durch grobe Fahrlässigkeit entstanden sind. Das betrifft sowohl Personen- und Sachschäden sowie daraus resultierende Folgeschäden, sofern hierfür eine gesetzliche Pflicht besteht. Je nachdem, um welche Art von Schaden es sich handelt, übernimmt der Versicherer zum Beispiel die folgenden Leistungen:

  • Sachschaden: Übernahme der Rechnungsbeträge für eine Reparatur oder eine Wiederbeschaffung des beschädigten Gegenstandes
  • Personenschaden: Übernahme der Schadensersatzforderungen für ärztliche Behandlung des Geschädigten sowie Heil- oder Hilfsmittel, die dieser benötigt
  • Vermögensschäden in Folge von einem Personenschaden (Folgeschaden): Übernahme von Verdienstausfällen, Schmerzensgeld oder Renten

Abhängig von deinem gewählten Tarif oder den individuellen Vereinbarungen im Versicherungsvertrag übernimmt der Versicherer Schadensersatzleistungen nicht nur bei einem durch dich verursachten unmittelbaren oder mittelbaren Schaden, sondern gegebenenfalls auch dann, wenn sie durch mitversicherte Mitglieder deines Haushalts ausgelöst worden sind. Außerdem sind in der Regel Schäden durch deine im Haushalt lebenden Kleintiere wie Kaninchen und Katzen mitversichert. Der Versicherer leistet zudem passiven Rechtsschutz durch die Abwehr unberechtigter Forderungen und bei einem daraus entstehenden Rechtsstreit, zum Beispiel für den Rechtsanwalt, für Gutachter und für Gerichtsgebühren.

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Wann besteht bei meiner privaten Haftpflichtversicherung kein Versicherungsschutz für Folgeschäden?

Die private Haftpflichtversicherung wird sowohl Sach- und Personenschäden, als auch Folgeschäden unter anderem in nachstehenden Fällen nicht regulieren:

  • es handelt sich um Schäden, die bei der Ausübung des Berufs oder durch diesen entstanden sind
  • der Schaden wurde vorsätzlich verursacht
  • die Schadenersatzforderung ist unberechtigt (in diesem Fall wird der Versicherer unberechtigte Forderungen abweisen)
  • der Schaden ist einer Person entstanden, die in deiner Haftpflichtversicherung mitversichert ist
  • der Schaden ist an deinem Haustier entstanden
  • der Schaden ist durch ein größeres Haustier, wie ein Hund oder ein Pferd verursacht worden, deren Tierhalter du bist
  • der Schaden ist dir als KFZ-Nutzer entstanden
  • der Folgeschaden resultiert aus Affektionsinteresse

Schäden aus einer beruflichen Tätigkeit

Die Privathaftpflichtversicherung ist nicht für Schadensersatzforderungen zuständig, wenn die Schäden aus deiner beruflichen Tätigkeit resultieren. Hat sich beispielsweise ein Kunde in deinem Ladengeschäft verletzt, weil er über eine lose Fliese gestolpert ist, gewährt die Privathaftpflichtversicherung weder bei dem Personen- noch bei einem eventuell daraus resultierenden Folgeschaden Leistungen. Zuständig ist in diesem Fall die Berufshaftpflichtversicherung.

Vorsätzlich herbeigeführte Schäden

Wenn du einen Schaden vorsätzlich herbeigeführt hast, wird deine Privathaftpflichtversicherung die Regulierung ablehnen. Das wäre zum Beispiel dann der Fall, wenn du dich über deinen Freund geärgert und dessen Fahrradreifen zerstochen hast. Weder die Schadensersatzforderung für den Sachschaden, noch die für daraus entstehende Folgeschäden wird der Versicherer übernehmen. Das kann zum Beispiel ein Verdienstausfall aufgrund der Verspätung am Arbeitsplatz sein. Der Sachschaden und der Folgeschaden gehen in diesem Fall komplett auf deine eigene Rechnung, wenn dein Freund hierfür Schadensersatz einfordert.

Grobe Fahrlässigkeit

Warst du fahrlässig und bist dadurch für einen Schaden am Eigentum oder an der Person einer anderen Person verantwortlich, wird der Versicherer zwischen leichter und grober Fahrlässigkeit unterscheiden. Die leichte Fahrlässigkeit liegt in der Regel bei einem kurzzeitigen Mangel an Aufmerksamkeit vor. Ein Beispiel hierfür: Aus deinem Fahrradkorb ist von dir unbemerkt eine Glasflasche auf den Fahrradweg gefallen und zerbrochen. Der nachfolgende Radler konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen, sodass sein Vorderreifen beschädigt wurde. In der Regel reguliert deine Haftpflichtversicherung Schäden in diesem Fall. Bist du dir einer Gefahrensituation jedoch bewusst gewesen und es ist zu einem Schaden gekommen, kann von einer groben Fahrlässigkeit ausgegangen werden. Um bei dem Beispiel zu bleiben: Du hast bemerkt, dass eine Glasflasche aus deinem Korb gefallen und zerbrochen ist, hast aber die Scherben nicht aufgesammelt. Der nächste Radfahrer ist mit dem Vorderreifen versehentlich darübergefahren und hat nun einen Platten. Der Versicherer wird die Regulierung für den Sachschaden und einen eventuell daraus resultierenden Folgeschaden wie Einkommensverlust ablehnen, wenn der Versicherungsschutz grobe Fahrlässigkeit nicht einschließt. Das ist bei der Coya in allen Tarifen der Fall, sodass dieser Beispielschaden reguliert werden würde.

Unberechtigte Schadensersatzforderungen

Bevor deine private Haftpflichtversicherung Schäden reguliert, wird sie die Schadensersatzforderungen des Geschädigten sorgfältig prüfen. Unberechtigte Ansprüche wehrt der Versicherer ab. Kommt es aufgrund dessen zu einem Rechtsstreit wird der Versicherer die Kosten dafür übernehmen. Oft wird deshalb auch von einer passiven Rechtsschutzversicherung gesprochen. 

Schäden an deinen eigenen Tieren

Ist durch die Unachtsamkeit einer anderen Person dein eigenes Haustier geschädigt worden, ist diese dafür schadensersatzpflichtig und trägt auch die Haftpflicht bei Folgeschäden.

Schäden durch Tiere, die in der Privathaftpflicht nicht mitversichert sind

Mitversichert in der privaten Haftpflichtversicherung sind üblicherweise nur zahme Kleintiere. Dennoch bist du als privater Tierhalter auch für Schäden verantwortlich, die durch größere Tiere wie Pferde und Hunde verursacht werden. Für deren Regulierung ist die Tierhalterhaftpflichtversicherung zuständig. Deren Abschluss ist zwar nicht in jedem Bundesland Pflicht, aber auf jeden Fall ratsam.

Schäden durch das Führen eines Kraftfahrzeugs

Sach-, Personen- und daraus resultierende Folgeschäden, die du durch das Führen eines Kraftfahrzeugs verursachst, werden nicht durch die Privathaftpflichtversicherung, sondern durch die KFZ-Haftpflichtversicherung reguliert. Diese ist in Deutschland verpflichtend.

Folgeschaden aus Affektionsinteresse

Wenig Chance auf eine Entschädigung hat der Geschädigte dann, wenn es sich um einen Folgeschaden aus Affektionsinteresse handelt. Dieses besteht beispielsweise, wenn persönliche Fotografien verloren sind, weil durch deine Schuld das Smartphone deiner Nachbarin kaputtgegangen ist. Die Schadensersatzforderung für den Sachschaden ist regulierbar, die Wiederbeschaffung der privaten Fotos lässt sich im Wert jedoch nicht festmachen. Anders dürfte es hingegen aussehen, wenn deine Nachbarin regelmäßig Fotos semiprofessionell verkauft und durch den Verlust einen Einkommensschaden erleidet. Dieser lässt sich klar wirtschaftlich berechnen.

Illustration von einer Person mit einer Glühbirne neben dem Kopf

Affektionsinteresse

Die Begriffe Affektionsinteresse oder Affektionswert bezeichnen im Schadensersatzrecht ein Interesse an Schadensersatz, das wirtschaftlich nicht gemessen werden kann. Ursächlich ist hier in der Regel ein Empfinden, wie zum Beispiel der Liebhaber- oder der Erinnerungswert eines Gegenstandes. Der Geschädigte hat in diesem Fall zwar Anspruch auf Schadensersatz für diesen Gegenstand, aber der mentale Folgeschaden, der durch den Verlust oder die Zerstörung des Gegenstandes entstanden ist, kann in Geldwert nicht gemessen werden. Das heißt, dass weder du als Privatperson noch deine Versicherung hierfür zur Schadensregulierung herangezogen werden können.

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